Zu den technischen Daten - zu den Bildern

Ok, Ok die Fachleute im Russengeschäft werden aufheulen wenn sie das Emblem unter der Ural Überschrift sehen, aber meine Ural ist halt nicht so ganz reinrassig. Wie bei den Hunden sind aber die liebenswertesten nun mal die Promenadenmischungen. Meinen Bastard hab ich von einem Letten auf der Veterama in Mannheim erstanden.

Nachdem meine EMW doch etwas überfordert war, wenn ich mit zwei BMW R25 (/0 und /3) in den schönen oberpfälzer "Bergen" unterwegs war, musste etwas stärkeres her. Erneut eine Stahlpressrahmen mit mehr Power drin war wohl nicht in einem vernünfitgen Preis/Leistungs-Verhältnis erreichbar (BMW R17 oder Zündapp K800 ~ 10000,-). Also mal wieder der Blick zu den östlichen Kopien - leider nicht mit gepresstem Stahl. Als ich dann auch noch den seitengesteuerten 750 Kubik Boxer einer BMW R71 gehört und gesehen habe war die Wahl des Motors geklärt.

Nachdem ich den Markt im "Oldtimer-" und "Motorad-Markt" etwas sondiert habe bin ich dann nach Manheim mit einem VW-Bus gefahren um schon mal gewappnet zu sein. Es gab dann auch ein weites Spektrum an BMW und BMW-ähnlichen Boxern aus Osteuropa zu ganz akzeptablen Preisen. Mein Herz hatte sich jedoch ganz schnell an ein grünes Gespann verloren. Es sah komplett unberührt aus und hatte einen wunderschönen sv-Boxer mit filigranen Zylinder-Deckeln und sehr harmonisch schmale Kotflügel. Auf Anfrage beim lettischen Verkäufer wurde der Typ als Ural M61 Baujahr '59 identifiziert. Auch der Motor lief recht schön und ein genauerer Blick auf und vor allem unters Blech hatte durchaus seinen Reiz. Nach einer weiteren Runde durch die Veterama und intensiven Diskussionen mit meinen Begleitern wurden dann nochmals die Verhandlungen aufgenommen, ein Vertrag und eine Kopie der lettischen Zulassungspapiere gemacht.

Die Fahrt durch die Veterama - zum ersten mal ein Gespann fahren - war ein erhebendes Gefühl und der Kauf wurde sofort als eine eindeutig richtige Entscheidung erkannt. Das hat sich bis heute nicht geändert, auch wenn es zwischen durch Durststrecken gab.

Die erste Herausforderung zeigte sich als das Gespann in den VW-Bus sollte, der für eine Solomaschine gedacht war. Ich erstand noch schnell etwas Werkzeug auf dem Markt und demontierte den Beiwagen. Dann musste noch die Kunststoff-Frontscheibe entfernt (abgebrochen) werden und schon konnte man alles mit etwas gutem Willen und offenen Hecktüren verstauen und in die heimatliche Oberpfalz schaffen.

Zuhause angelangt kam ich zum Startpunkt eine langen Lernkurve beginnend bei Zollbehörden über TÜV bis zur Zulassungsstelle. Am Endpunkt dieser Lernkurve steht der Satz: Vorsicht bei Importen.

Offenbar hatte der nette Lette die Maschine nach Deutschland geschmuggelt. Er hat mir zwar gesagt, daß ich sie noch verzollen muß er hätte aber Einfuhrpapiere haben müssen, die ich gebraucht hätte. Ich konnte sie dann nach der Begutachtung noch verzollen, somit war die erste Hürde geschafft.

Die Restauration war weitgehen problemlos, die Basis war so gut wie sie in Mannheim ausgesehen hatte und Teile sind weitgehend Standard-teile. Die größten Probleme machten die Kupplungsscheiben und die Vergaserflansch Dichtungen.

Mittlerweile habe ich dann auch rausgefunden, daß der vom Verkäufer so hoch gehaltene orginal Zustand wohl ein Orginalzustand nach einem Motorwechsel war. Die orginale M61 stach vor allem durch zwei Dinge hervor. Zum einen die schmalen Kotflügel (die meine auch noch besaß) und zum andern durch eine 650ccm kopfgesteuerten Boxer. Dieser war nun offensichtlich nicht mehr vorhanden - was soll's ich wollte ja genau diesen Motor. (nun ist auch die Kombination von Überschrift und Bild am Kopf der Seite erklärt - ich denke der Motor müsste einer Dnepr K 750 gehört haben)

Auch der TÜV war verhältnismäßig leicht zu nehmen, die Herren hatten zwar keine hohe Meinung über diesen Pseudo-Klassiker, aber machten auch keine größeren Probleme. Den einzigen Einwand den der Prüfer hatte war der Scheinwerfer, der bei Fahrzeugen ab Baujahr 1959 (tja, leider Pech gehabt) ein Prüfzeichen haben musste. Also einen neuen Scheinwerfer rein (bringt ja auch mehr Licht) und schon gab's keine Probleme mehr.

Die größten Schwierigkeiten hatte ich jedoch bei der Anmeldung, da ich keine orginal Brief oder etwas das danach aussieht hatte. Der zweite Fehler den ich machte (der mir gleich die Warnung vor einer Anzeige zwecks Meineides einbrachte) war, daß ich die Kopie der Lettischen Zulassungspapiere vorzeigte. Da diese nicht reichten und ich wagte zu Fragen was mit einer Maschine ohne Papiere wäre wurde ich entsprechend gewarnt. Nach intensiven Gesprächen wich meine Blauäugigkeit, was Importkäufe anbelangt und wuchs das Verständnis für die Problematik der Beamten im Landratsamt. Nachdem aber dann das Vertrauen in meine Glaubwürdigkeit entschied und das Besitzrisiko bei mir lag konnte ich das Gerät doch noch anmelden.

Mittlerweile habe ich schon ettliche Kilometer in der schönen Oberpfalz zurückgelegt. Es gab auch schon Touren mit modernen deutlich stärkeren Maschinen, bei denen meine Ural (bei entspannter Gangart der neuen Bikes) sogar mithalten konnte.

Der letzte suchtauslösende Schritt war das montieren des Beiwagens. Ein komplett neues Fahrgefühl - Ein umfassender Eindruck von Fahrdynamik. Erst wenn das Boot mitgeführt wird, erkennt man die perfekte Abstimmung des Motors und Fahrwerks auf ihre eigentliche Bestimmung. Sobald ich den Beiwagen restauriert habe wird es hier Bilder geben.

 

 

Technische Daten:
 

Typ:

Ural M61

Baujahr: 

1959

Motor:

Liegender Zweizylinder Boxer, seitengesteuert (von einer Dnepr, orginal kopfgesteuert)

Hubraum:

746 ccm (orginal 649 ccm)

Dauer Leistung:

22 PS bei 4200 - 4600 U/min

Maximales Drehmoment:

4,0 mkg

Kühlung:

Luft (Fahrtwind)

Leergewicht:

225 kg

Zul. Gesamtgew.:

400 kg

Reifen vorn:

3,50-19

Reifen hinten:

3,50-19

Höchstgeschwindigkeit:

95 km/Std

Fuss-Bremse:

innen Backen hinten

Hand-Bremse:

innen Backen vorn

Radstand:

1430mm


 

Bilder: